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Duftstoffe

Während Düfte noch vor einer Generation als etwas Besonderes galten und parfümierte Produkte eine – oft teure – Seltenheit waren, wird heute vieles, was sich für das Verströmen eines Geruchs eignet, auch mit einem Duft versehen. Sehr zum Leidwesen vieler Verbraucherinnen und Verbraucher, denen die Exposition durch teilweise stark riechende Chemikalien gehörig „auf die Nerven“ geht. Die oftmals sogar als „Luftverbesserer“ bezeichneten Produkte machen ihrem Namen jedoch keineswegs Ehre: Statt die Luft qualitativ zu verbessern, wird sie mit leicht flüchtigen Verbindungen (Volatile organic com-pounds, VOC) angereichert. Aus hygienischer Sicht stellen VOC im Innenraum eine unerwünschte Belastung dar. Ihre Konzentration sollte nach Möglichkeit so gering wie möglich liegen. Wird durch den Einsatz von Duftstoffen eine mangelhafte Lufthygiene verschleiert, ist dies aus umweltmedizinischer Sicht als besonders bedenklich anzusehen: Den exponierten Personen wird die Möglichkeit genommen, auf die „schlechte Luft“ angemessen zu reagieren und den Ort zu wechseln oder das Fenster zu öffnen, um frische Luft hereinzulassen.

Duftstoffe finden sich zum Beispiel in Wasch- und Reinigungsmitteln, Kosmetikprodukten oder Duftkerzen. Auch Produkte wie Mülleimer- oder Staubsaugerparfüm sind im Handel erhältlich. Des Weiteren gibt es technische Anwendungen, mit denen ganze Kaufhäuser über die Klimaanlage gezielt beduftet werden können.

Sogar in Schulen werden diese Substanzen – wenn man einem Spiegelartikel mit dem Titel „Das duftende Klassenzimmer“ vom 12.06.2006 Glauben schenken darf – mittlerweile gezielt eingesetzt. Sie sollen wohl beruhigend wirken und die Aufmerksamkeit der Schüler stärken. Viele Menschen setzen Duftstoffe also bewusst ein. Auch das Duftkino ist keine Vision mehr, die in weiter Ferne liegt, sondern kann täglich besucht werden: So eröffnete kürzlich ein so genanntes 5D-Kino, bei dem auch Düfte wahrgenommen werden können – jeweils passend zur jeweiligen Filmszene.

Oftmals sind die Verbraucher auch unbewusst mit Duftstoffen konfrontiert, etwa wenn die „Lufterfrischer“ sich über Klimaanlagen in Kaufhäusern oder Büros verteilen. Eine solche Beduftung ist nicht immer einfach zu entdecken, wenn die Konzentration eines gezielt eingesetzten Duftes an der Wahrnehmungsschwelle liegt. Für manche Menschen kann das zum Problem werden – gerade für besonders sensible Personen.

Auch für Duftstoffe gilt: Wird Angenehmes zur Last, müssen sich die Verbraucherinnen und Verbraucher schützen können. Leider wissen wir auffallend wenig über unerwünschte Wirkungen von Duftstoffen auf den Menschen und auf die Umwelt. Warum reagiert der eine Mensch auf bestimmte Gerüche empfindlicher als der andere? In vielen Fällen ist zudem über ihre gesundheitlichen sowie ökologischen Wirkungen wenig bekannt. Was ist zu tun? Nicht sinnvoll scheint es zu sein, den Einsatz von Duftstoffen generell zu verbieten, denn dies entspräche weder den Wünschen der Konsumenten noch denen der Hersteller und Anwender. Aus Gründen der Vorsorge empfiehlt das UBA, Duftstoffe in öffentlichen Gebäuden, in denen Einzelne keinen Einfluss auf die Beduftung nehmen können – wie Büros, Kaufhäuser und Kinos – nicht einzusetzen, um die Gesundheit empfindlicher Personen nicht zu beeinträchtigen.

In Haus und Wohnung sollten Verbraucher vorsichtig mit Duftstoffen umgehen und schlechte Luft nicht mit wohlriechenden Produkten maskieren. Vielmehr ist den Ursachen für – vermeintlich – schlechte Luft nachzugehen und deren Quelle zu beseitigen. Gute Belüftung und regelmäßiges Putzen – mit duftstofffreien Mitteln – sorgen am besten für frische Luft. Wer sich dennoch für eines der vielen Duftprodukte entscheidet, sollte sparsam und umsichtig damit umgehen: Besondere Zurückhaltung ist angezeigt gegenüber Räucherstäbchen oder Verdampfern (etwa Teelichtern oder Duftlampen), da diese die Konzentration der Duftstoffe in der Atemluft stark erhöhen können. Importprodukte können zudem Stoffe enthalten, die bei uns schon lange verboten sind.

Die Hersteller der Duftstoffe können ebenfalls dabei helfen, den Einsatz ihrer Produkte gesundheitsverträglicher zu machen. Sie sollten die Verbraucher erstens besser und ausführlicher als bisher über die Inhaltsstoffe ihrer Duftpräparate informieren. Dies gilt z.B. besonders für Produkte, die den Menschen eine gesundheitlich fördernde Wirkung versprechen, wie z.B. manche Aromatherapieöle. Die angepriesene Transzendenz oder „die Seele reinigende Wirkung“ mancher Produkte im Esoterikhandel kann leicht in unangenehmen Kopfschmerzen enden. Zweitens sollten nur Substanzen zum Einsatz kommen, die auf ihre Verträglichkeit für Mensch und Umwelt geprüft und als unbedenklich eingestuft sind. Hier ist das Wissen in weiten Teilen noch sehr lückenhaft.

Das Umweltbundesamt hat ein 15-seitiges Hintergrundpapier zu diesem Thema veröffentlicht, in dem der gegenwärtige Stand des Wissens zu Risiken und Nebenwirkungen von Duftstoffen zusammengefasst ist. Ausserdem enthält es Informationen zur rechtlichen Regelung von Duftstoffen sowie eine Reihe von Empfehlungen des Umweltbundesamtes, wie mit riechenden Produkten verantwortungsvoll umgegangen werden sollte.


Dieses Hintergrundpapier „Duftstoffe: Wenn Angenehmes zur Last werden kann“ steht im Internet unter:
http://www.umweltbundesamt.de/gesundheit/publikationen/index.htm
zum Download bereit.
Verfasser: Umweltbundesamt Berlin: Dr. med. Wolfgang Straff
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