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MRSA Multiresistenente Staphylokokken

veröffentlicht um 24.02.2011, 23:11 von Herbert Lichtnecker   [ aktualisiert: 28.09.2016, 09:52 ]
Umgang mit multiresistenten Erregern im Krankentransport (MRSA/VRE). Es  wird auf die Publikation des Landesinstituts für Gesundheit und Arbeit des Landes Nordrhein Westfalen verwiesen (siehe Downloadbereich).

Empfehlungen:
Vor jedem Transport wird der Patient nach einer MRSA Infektion befragt. Bei MRSA Verdacht ist die persönliche Schutzausrüstung sowie das Vorgehen für den Transport entsprechend der Ausführungen des Landesinstituts für Gesundheit und Arbeit des Landes Nordrhein Westfalen zu verfahren.  

Kontakt:
Ein Kontakt mit MRSA positiven Personen kommt in Deutschland jeden Tag im Krankenhaus, beim Krankentransport und natürlich auch auf der Straße und in öffentlichen Transportmitteln vor. Von 100 Personen sind bis zu 4 MRSA-Träger. Eine Übertragung von MRSA ist in der Regel als selten einzustufen. 
Zu einer Übertragung von MRSA kann es in der Regel nur beim direkten und vor allem engen Kontakt
mit einer Person kommen, wenn die kolonisiert ist. Die wichtigste hygienische Maßnahme ist und bleibt 
die Händedesinfektion vor und nach jedem Patientenkontakt und das Tragen von Handschuhen. Bei allen Transporten sind unabhängig vom MRSA Status des Patienten die Grundregeln der Standardhygiene zu beachten.

Die üblichen Standardhygienemaßnahmen (Händedesinfektion) sind ausreichend um MRSA an der Übertragung zu hindern. Intensiver Kontakt ist natürlich zu unterlassen. Das Besiedlungsrisiko steigt erst beim Vorliegen chronischer Schädigungen der Hautoberfläche (Ekzeme, Geschwüre, schlecht heilende Wunden).

Tenazität:
MRSA kann abhängig von den atmosphärischen Bedingungen einige Tage bis 7 Monate auf unbelebten Oberflächen überdauern (mittlere Tenazität). Man geht davon aus, dass direkte Sonnen/UV-Einstrahlung die Tenazität verringert.

Screenung:
Eine generelle Empfehlung zum Screening von Mitarbeitern gibt es nicht. Hier ist eine Übereinkunft zwischen Arbeitnehmer, Arbeitgeber und dem Betriebsarzt auf der Basis der bisherigen Erfahrungen aus dem erforderlich, die auf die Tätigkeit (Rettungsdienst, Praxis, Krankenhaus) abzustimmen ist. 
Es wird folgendes Vorgehen empfohlen:

Von einem MRSA Kontakt ist nicht auszugehen, wenn:
  • Der Patient frische Körperwäsche trägt. 
  • Die Wunde frisch verbunden und gut abgedeckt ist.
  • Bei einer Besiedelung der Atemwege mit MRSA der Patient einen Mund- /Nasenschutz trägt.
  • Die erforderlichen Hygienemaßnahmen durch das Rettungspersonal eingehalten werden.

Sollte ein ungeschützter Kontakt mit Körperflüssigkeiten des MRSA infizierten Patienten erfolgt sein, wird folgendes Vorgehen empfohlen:
  • Beschreibung des Hergang/Kontakt zu MRSA positivem Patienten an den Betriebsarzt übermitteln. Gegebenenfalls Gespräch mit dem Betriebsarzt.
  • Zunächst besteht aus arbeitsmedizinischer Sicht keine Einschränkung für die weitere Tätigkeit im Rettungsdienst. Es wird auf die Notwendigkeit der strikten Einhaltung der Hygienemaßnahmen hingewiesen (Hygieneplan).
  • Auf Wunsch der Beschäftigten im Rettungsdienst wird 10 bis 14 Tage nach der ungeschützten Transport von MRSA Patienten ein Abstrich durchgeführt. Sollten Wunden, eine Immunschwäche oder konsumierende Erkrankungen vorliegen, so ist der Abstrich verpflichtend. Das dient der Sicherheit des Personals im Rettungsdienst und für zukünftige Transporte der Sicherheit der Patienten. 
  • Die Bescheinigung einer Arbeitsunfähigkeit bei einem asymptomatischen Mitarbeiters ist nach den Richtlinien des G-BA definitiv rechtswidrig. Eine Besiedelung mit MRSA ist keine Erkrankung.

Ist ein Mitarbeiter MRSA positiv, so ist er unmittelbar zu behandeln!

Meldepflicht nach dem BK-Recht bzw. dem IfsG
  •  Bei Nachweis einer Infektion, (nicht nur der Keimnachweis sondern aus klinische Beschwerden) mit MRSA, nicht bei einer alleinigen Besiedlung, besteht für den Arzt dann eine Anzeigepflicht nach § 202 Sozialgesetzbuch VII, wenn er den begründeten Verdacht auf eine beruflich bedingte Infektion hat.
  • Meldepflichtig ist seit 2009 nach „Verordnung zur Anpassung der Meldepflicht nach § 7 des Infektionsschutzgesetzes“ der Nachweis von MRSA aus Blut oder Liquor.
  • Meldepflichtig ist das gehäufte Auftreten nosokomialer Infektionen, bei denen ein epidemischer Zusammenhang wahrscheinlich ist oder vermutet wird (als Ausbruch nicht namentlich).



  • Expertenaussage des EUREGIO MRSA-net Twente/Münsterland.
  • Helpdesk Euregio MRSA-net Twente/Münsterland (Tel. 0251-8352317)
  • Wagenvoort J.H.T., Penders R.J.R. Long-term in-vitro survival of an epidemic MRSA phage-group III-29 strain. Journal of Hospital Infection 1997;35:322-5.
  • Umgang mit multiresistenten Erregern (MRSA/VRE) im Krankentransport. Landesinstituts für Gesundheit und Arbeit des Landes Nordrhein Westfalen. LIGA.Aktuell 13 2010
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Herbert Lichtnecker,
17.11.2011, 01:03
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