Arbeitsmedizin‎ > ‎Reisemedizin‎ > ‎

Reisediarrhoe

Die Reisediarrhoe ein wiederkehrender Begleiter

Die Hygiene-Standards haben sich verbessert. Allerdings ist in Ländern der dritten Welt das Risiko für Durchfall immer noch hoch. Selbst die klassischen Vorsichtsmaßnahmen helfen nicht immer. Hier empfiehlt es sich geeignete Antibiotika in der Reiseapotheke mitführen.

Die  „Reisediarrhoe“ wurde schon vor mehr als 50 Jahren beschrieben. Derzeit liegt das Risiko für eine Durchfallerkrankung während einer zweiwöchigen Auslandsreise immer noch bei 10 bis 40% – je nach Reiseziel und Art der Reise.
Autoren aus der Schweiz und den USA befragten die internationale Literatur nach Angaben zu Inzidenz, Ätiologie, Risikofaktoren und Behandlung der Reisediarrhoe. Definiert wurde die Erkrankung als drei 
oder mehr ungeformte Stühle pro Tag am Reiseziel plus ein zusätzliches Symptom wie Bauchkrämpfe, Tenesmen, Übelkeit, Erbrechen, Fieber oder Stuhldrang.

Das Risiko einer Reisediarrhoe hängt davon ab, wo man seine Mahlzeiten einnimmt und was man zu sich nimmt. Individualreisende sind gefährdet, wenn sie häufig am Straßenrand essen. Auch ein gutes Hotel oder sogar ein Kreuzfahrtschiffen schützt nicht vor der Durchfallerkrankung. Häufig kommt es zu Ausbrüchen von Norovirus-Infektionen. Die Jahreszeit kann eine Rolle spielen (mehr Infektionen bei Hitze und starkem Regen). Kinder sind vermehrt gefährdet, Ein Risiko für den Reisenden stellen bekannte chronisch-entzündliche Darmkrankheiten wie Morbus Crohn dar.
Die Durchfallerkrankung dauert im Schnitt vier bis fünf Tage. 12 bis 46% der Patienten sind vorübergehend für einen Tag völlig immobil. Ein postinfektiöses Reizdarmsyndrom kommt bei 3 bis 17% der Patienten vor. Weitere Folgen können eine reaktive Arthritis und ein Guillain-Barré-Syndrom sein.
Diagnostisch lässt sich bei 50 bis 94% der Reisediarrhoe-Patienten ein verursachendes Agens identifizieren. In der Regel sind das Bakterien. Am häufigsten ist ETEC, gefolgt von E. coli. Weitere Verursacher eine Reisediarrhoe sind Noroviren, Rotaviren, Vertreter der Gattungen Salmonella, Campylo bacter, Shigella, Aeromonas, Plesiomonas, Bacteroides und Vibrio, außerdem Parasiten wie Giardia, Cryptosporidium, Ent - amoeba, Microsporidium und Arcobacter- Arten.  Für protrahierte Diarrhoeen sind oft Parasiten verantwortlich. 
 

Prophylaxe – schwierig

Die Regel „boil it, cook it, peel it, or forget it“ macht Sinn, verhindert aber trotzdem oft nicht den Durchfall.
Eine Prophylaxe mit Synbiotika, Prebiotika und Probiotika ist derzeit als nicht sinnvoll anzusehen. Wismut-Subsailcylat kann die Rate von Reisedurchfall um 65% reduzieren, wenn man es viermal täglich einnimmt. Allerdings werden Zunge und Stuhl davon schwarz. Für einige Patienten ist es kontraindiziert. Mit Rifaximin, einem darmselektiven, kaum resorbierten Antibiotikum, kann man die Reisediarrhoe ebenfalls signifikant reduzieren. Die Substanz ist in vielen Ländern zur Therapie der Erkrankung zugelassen. Auch eine Prophylaxe mit systemischen Antibiotika ist wirksam; es gibt aber ernste Argumente dagegen, wie die Induktion von Resistenzen. Man kann die Maßnahme für Patienten verantworten, bei denen eine Dehydratation besonders riskant wäre (z. B. nach Apoplexie, bei insulinpflichtigem Diabetes oder Niereninsuffizienz), bei solchen mit chronisch- entzündlichen Darmleiden oder AIDS, bei Ileostomien oder Kolostomien.

Impfungen mit gutem Schutz stehen nicht zur Verfügung. Für Reisende in Cholera-Endemiegebiete kommt immer eine orale Cholera-Vakzine in Betracht.

Therapie – wirksam

Istder Durchfall da, sollte man auf adäquate Flüssigkeits- und Elektrotytzufuhr achten. Für Kinder und Senioren sind orale Hydratationslösungen empfehlenswert. Ansonsten kommt man mit gezuckertem Tee oder Suppen aus.
Die Selbstbehandlung ist meist wirksam. Bei leichteren Symptomen eignen sich Wismut-Subsalicylat oder Loperamid. Gegen Übelkeit und Erbrechen kommen Ondansetron, Promethazin oder Domperidon in Betracht.
Mit Antibiotika (Einmalgabe oder für bis zu drei Tage) kann man die Erkrankung abkürzen. Für die meisten Gegenden sind Fluorochinolone (Ciprofloxacin oder Levofloxacin) Mittel der Wahl. Wo Campylobacter vorherrscht, wie in Süd- und Südost-Asien, nimmt man besser Azithromycin. Man sollte damit aber bei KHK-Patienten zurückhaltend sein (Risiko plötzlicher Herztod). Rifaximin ist dem Ciprofloxacin ebenbürtig, außer bei invasiver Erkrankung mit Fieber. Campylobacter ist dagegen meist resistent.
Eine Kombination aus Loperamid und Antibiotikum kann empfohlen werden, wenn man die Symptome schnell beseitigen will. 
Quelle:

Praxis Depesche  23. Juli 2015

Steffen R et al.: Traveler’s diarrhea. A clinical review. JAMA 2015; 313: 71-80

Comments